Der Maulwurf

Ein Leben im Untergrund

© Photocreo Bednarek

Maulwürfe sind eine Säugetierfamilie aus der Ordnung der Insektenfresser. Es gibt etwa 50 in Eurasien und Nordamerika verbreitete Arten, wobei der Europäische Maulwurf die einzige in Mitteleuropa lebende Art ist. Viele, aber nicht alle Maulwürfe führen eine unterirdisch grabende Lebensweise. Daneben gehören auch die wasserbewohnenden Desmane und einige meist oberirdisch lebende, spitzmausähnliche Arten (die Spitzmausmaulwürfe, die Japanischen und die Amerikanischen Spitzmulle) zu dieser Gruppe.

Einen Maulwurf zu Gesicht zu bekommen kann sich als äusserst schwierig darstellen und es braucht eine Menge Geduld. Vor allem muss man sehr still sein, denn das Gehör des Maulwurfs ist stark ausgeprägt. Doch mit etwas Glück und nach einem kleinen Erdbeben kann man Zeuge werden wie der kleine Untergrundbewohner seinen etwa 30 cm großen Hügel aufwirft.

Entgegen vieler Kleingärtnermythen frisst er keine Pflanzen an, sondern unterstützen das Ernteergebnis, da Sie den Boden auflockern. Er braucht stattdessen etwa 100 Würmer am Tag um seinen Energebedarf zu decken. Ebenso sorgt er für schlechte Tage vor und legt eine Vorratskammer an, in der bis zu 500 Würmer lagern.

Am Tag kann er stolze 45 Meter Gänge graben und das bei einer Geschwindigkeit von 4 km/h. Eine Fläche von bis zu 4 Fußballfeldern beansprucht er für sich und duldet auch keinen Rivalen, denn er ist ein Einzelgänger wiekaum ein anderes Tier. Lediglich einmal im Jahr finden Dame und Herr zusammen, das ganze auch nur für wenige Stunden. Nach der Geburt sind die Jungen bereits 8 Wochen später entwöhnt.

Eine Besonderheit unter den Säugetieren: Das Weibchen hat neben den Eierstöcken auch Hoden, damit ausreichend Testosteron ausgeschüttet wird, die für Revierkämpfe notwendig sind.

In den Adern des Maulwurfes zirkuliert die doppelte Menge an Blut wie bei Säugetieren gleicher Größe, ebenso ist das Blut Hämaglobinhaltiger, das braucht er auch, da dieser Farbstoff für die Sauerstoffaufnahme zuständig ist. Andere Tiere würden schlicht unter der Erde ohnmächtig werden.

Einige Fakten:

  • Der durchschnittliche Bau kommt auf 500 Meter Ganglänge
  • Innerhalb 230 Millisekunden entdeckt und verschlingt er einen Wurm
  • Sie sind nahezu blind, aber:
  • Er kann eine Insektenlarve au 200 Meter Entfernung hören
  • Lebenserwartung bis zu 6 Jahre
  • 3,5 Kilogramm Aushub je Meter (wohin auch sonst?)
  • Geschwindigket beim graben: 4 km/h

Die Kopf-Rumpflänge beträgt von 6 cm  - 22 cm, bei einem Gewicht von 9 - 170 Gramm.

Der Rumpf der Maulwürfe ist walzenförmig, der zugespitzte Kopf sitzt auf einem sehr kurzen Hals, bei dem die zweiten bis vierten Halswirbel verschmolzen sind. Das Fell besteht bei den unterirdisch lebenden Arten nur aus Wollhaaren ohne Strich und erweckt darum einen weichen, seidigen Eindruck. Sie können dadurch in ihren engen Gängen gleichermaßen vorwärts und rückwärts kriechen. Die Desmane haben hingegen auch ein wasserabweisendes Oberfell. Die Fellfärbung variiert von hellgrau über verschiedene Brauntöne bis schwarz. Alle Arten haben Hautdrüsen, am auffälligsten sind wohl die Moschusdrüsen an der Schwanzwurzel der Desmane.

Die Gliedmaßen der Maulwürfe sind kurz und enden jeweils in fünf bekrallten Fingern oder Zehen. Schien- und Wadenbein sind in der unteren Hälfte verschmolzen.

Die Vordergliedmaßen der grabend lebenden Arten sind zu Grabwerkzeugen umgebildet. Die mit der Handfläche nach außen gedrehten Hände sind schaufelförmig und enden in fünf Zehen, zusätzlich sind sie durch ein Sesambein verstärkt. Die Arme liegen weit vor dem Brustkorb neben dem Kopf, sie sind kurz und völlig in die Körperkontur eingebaut. Das Ellbogengelenk ist hoch in den Schulterbereich verlagert, es dient nicht zum kräftigen Grabezug, sondern nur zur Positionierung der Hand. Diese Tiere haben eine unter Säugetieren einzigartige gelenkige Verbindung zwischen Schlüsselbein und Oberarm. Die Grabetätigkeit erfolgt durch die Drehung des Oberarms, die durch die gut entwickelte Armmuskulatur durchgeführt wird. Die Hinterbeine tragen ebenfalls fünf Zehen, sind aber weniger spezialisiert als die Vordergliedmaßen. Maulwürfe haben an ihrer Vorderhand einen zusätzlichen sichelförmigen Knochen, der ihnen beim Graben hilft.

Die Gliedmaßen der Desmane sind hingegen mit Schwimmhäuten und borstenartigen Haaren an die aquatische Lebensweise dieser Tiere angepasst. Sie sind ebenso wie die kleinen Pfoten der spitzmausähnlichen Arten nur bedingt zum Graben geeignet, wenngleich auch diese Tiere oft ihre eigenen Baue anlegen können.

Der Schädel der Maulwürfe ist langgestreckt und flach, charakteristisch ist die lange, rüsselförmige Nase, die sehr beweglich und meist unbehaart ist. Die Augen dieser Tiere sind sehr klein und teilweise von Haut überdeckt, Ohrmuscheln fehlen bei allen Arten mit Ausnahme der Spitzmausmaulwürfe.

Das Gebiss der Maulwürfe ist wie das aller Insektenfresser mit spitzen Höckern und scharfen Schmelzleisten versehen und gut an ihre räuberische Lebensweise angepasst. Die Zahl der Zähne variiert je nach Art von 34 bis 44, einige Maulwürfe wie der Europäische Maulwurf haben mit 44 Zähnen die ursprüngliche Zahnzahl der Höheren Säugetiere bewahrt. Der Bau und die Anordnung variieren, die Backenzähne sind jedoch stets dilambdodont (w-förmige Anordnung der Höcker). Das Milchgebiss wird oft schon vor der Geburt oder kurz danach durch das bleibende Gebiss ersetzt.

Anatomie

Der Verdauungstrakt ist wie bei allen Insektenfressern sehr einfach gebaut. Der Darm ist eine einfache Röhre und verglichen mit der Körperlänge sehr kurz, der Blinddarm fehlt. Als Anpassung an die sauerstoffarme Luft in den Gangsystemen ist der Hämoglobinanteil im Blut deutlich höher als bei anderen Säugetieren vergleichbarer Größe. Im Bau des Fortpflanzungstraktes zeigen Maulwürfe Übereinstimmungen mit anderen Insektenfressern: Bei den Männchen liegen die Hoden außerhalb der Bauchhöhle in hodensackähnlichen Hautfalten, den Cremasterfalten. Die Weibchen haben eine zweihörnige Gebärmutter

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