Massenmord an Insekten

Massenmord an Insekten

Und was wird dagegen unternommen?

fotolia.com © Roman Gorielov

Innerhalb der vergangenen 25 Jahre sind die Insekten in Deutschland um 75% zurück gegangen. Die kommenden Folgen sind für viele Arten, ob Tierarten, oder Pflanzenarten, aber auch für den Menschen verheerend sein, da unter den Pflanzenarten natürlich auch viele Nutzpflanzen sind.

Überraschend und beschämend zugleich, dass sich die Verantwortlichen gegenseitig die Schuld zuweisen – Politik und Landwirtschaftsverbände, gerade wenn man bedenkt, dass es zu oft die gleichen Personen sind.

Und was wird dagegen unternommen? Die EU verlängert erst mal die Zulassung für Glyphosat und hat das auch weiterhin vor. Die Landwirtschaft sieht weiter keine Schuld auf Ihrer Seite und argumentiert auf eine Weise, die fassungslos macht:

In einer Diskussion wurde mir persönlich die Wichtigkeit von Chemie auf Deutschlands Feldern erklärt, in dem man als Referent die Hungersnot in Irland – wohlgemerkt 1845 – 1852 statt gefunden hat. Die Begründung: Ohne die Pestizide käme es erneut zu derartigen Katastrophen. Kaum verwunderlich, dass nichts passiert, wenn der dargelegte Wissensstand in Sachen Landwirtschaft mehr als 150 Jahre zurück liegt und leicht zu entkräften, da ich mir die Frage stelle wie es dann sein kann, dass zur Zeit bei der hochgelobten Chemie und den technischen Möglichkeiten etwa 1 Milliarde Menschen auf der Erde hungern müssen.

Einzig und allein die Profitgier ist hier der Hintergrund und die Trägheit etwas zu ändern. Nach mir die Sintflut wäre wohl treffender.

Die genauen Gründe für den Rückgang der Insekten

Verarmung der Landschaft

Weiden, Streuwiesen, Hecken und feuchte senken sind in den vergangenen Jahren mehr und mehr der industriellen Landwirtschaft zum Opfer gefallen. Somit wurden die Landschaften Deutschlands Ihrer Vielfalt beraubt. Aus artenreicher Kulturlandschaft wurde eine strukturarme Agrarwüste geschaffen. Wildpflanzen finden ebenso wie Wildbienen keinen Platz zum Überleben mehr.

Schnellwachsende Sorten von Gemüse und immer massivere Maschinen, keine Feldränder oder Ackerbrachen verdrängen den Rest der meisten Insekten und Natur aus der Kulturlandschaft.

Agrargifte

Durch die Verarmung der Kulturlandschaften durch die intensivierte Landwirtschaft und den riesigen Mais- und Rapsfeldern, eintönige Fruchtfolge sowie der Hochleistungssorten werden entsprechend auch die dazugehörigen Schädlinge herangezüchtet. Um diese Schädlinge wiederum zu bekämpfen wird zu immer stärkeren Pflanzengiften gegriffen, um dem selbst erschaffenen Problem Herr zu werden -  Ein Teufelskreis, der schlicht in eine Katastrophe führt. Oder noch weiter gedacht – was wenn die Schädlinge, die auch für den Menschen gesundheitsschädlich werden können nicht mehr Einhalt geboten werden kann, weil die Schädlinge mittlerweile völlig Resistent sind?

Glyphosat kommt weltweit mit Abstand am häufigsten zum Einsatz. Jede Pflanze, die nicht gentechnisch verändert wurde überlebt den Einsatz des Giftes nicht. Ergo ist Glyphosat maßgeblich für das Artensterben auch über die Grenzen der Agrarwirtschaft hinaus verantwortlich und Jene, welche es einsetzen. Ebenso bekannt sind die Neonikotinoide. Es handelt sich um ein Nervengift. Es stört zum Beispiel das Orientierungsvermögen der Bienen und zerstört deren Immunsystem.  Die Wirkung der verschiedenen  Gifte in Kombination auf Mensch und Tier ist zudem relativ wenig erforscht, so dass viele Fragen auch bezüglich der direkten Wirkung und langfristiger Wirkung auf Mensch und Wildtier, etc. offen sind. Daher auf ökologische Produkte übergehen, hier sind chemische und synthetische Pestizide verboten.

Überdüngung der Felder

Zuviel Stickstoff wirkt sich nicht nur durch Diesel in den Städten auf Menschen negativ aus. Ebenso ist die Natur natürlich betroffen.

Wieder einmal ist die Agrarindustrie hauptverantwortlich. Extrem viel Stickstoff gelangt durch Kunstdünger und Gülle aus der Massentierhaltung in die Umwelt. Folge ist auch die Überdüngung der Böden und auch der Gewässer, da die Stoffe ins Grundwasser vordringen und/oder in umliegende Gewässer gelangen. Der Stickstoff der großräumig in der Luft verbreitet wird kommt noch hinzu. Betroffen sind alle Lebensräume. Streng geschützte Lebensräume sind hier nicht ausgeschlossen. Hier trifft es viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten, die Ihr Refugium dort gefunden haben.

Forstwirtschaft

Nach der Landwirtschaft stellt die Forstwirtschaft die zweitwichtigste Landschaftsnutzung dar. Doch leider hat Forstwirtschaft nicht das Geringste mit dem Schutz und Erhalt der Wälder zu tun. Auch hier geht es lediglich um den Nutzen und der Gier nach mehr Ertrag. Durch die schwere Gerätschaft werden die Böden verdichtet hinterlassen, immer weniger alte Bäume und kein moderndes Holz, dass Lebensraum bietet.

Auch hier kommen Pestizide mit schwerwiegenden Folgen zum Einsatz. Einzelne „Schädlinge“ sollen bekämpft werden, ungeachtet der Folgen für alle anderen Insekten, Wildtiere und Vögel. Natürliche Wälder in Deutschland sind eher die Seltenheit.

Versiegelte Böden

Stetiges Wachstum in einem künstlich am Leben erhaltendem System. Wie in anderen Artikel mehrfach erwähnt: Stetiges Wachstum ohne das die Erde mitwächst und mit Ihr Ressourcen wie Wasser, Land? Wie die Rechnung endet sollte wohl jedem mittlerweile klar sein. Dennoch wird immer weiter Richtung Sackgasse gearbeitet und für Gewerbegebiete, neue Siedlungen und Straßen immer mehr Natur dem Erdboden gleich gemacht. Etwa 70 Hektar fruchtbarer Boden verschwindet Tag für Tag unter Asphalt und Beton.

Die Bundesregierung wollte dem entgegen wirken. Gemacht hat Sie wieder einmal nichts – nichts tun reicht bislang um gewählt zu werden. Sinnig wäre, dass bei einer Neuversiegelung (ich halte es für nicht notwendig – egal in welcher Region wir uns befinden, wenn man an der Ursache arbeitet), zeitgleich versiegelte Böden zurück gebaut werden.

Tod durch Licht

Die meisten Insekten sind nachtaktiv. Aber die meisten Arten werden auch von Licht angezogen. Allein an Deutschlands Lampen sterben in einer einzigen Sommernacht etwa 1 Milliarde Insekten! Sie werden verbrannt oder sterben an Erschöpfung. Ebenso wird der normale Tag-Nacht-Rhythmus gestört. Zudem das Fortpflanzungs- und Jagdverhalten.

Die Lichtverschmutzung nimmt ebenso Jahr für Jahr zu. Ausgerechnet die Kommunen (wie auch in meiner Gemeinde) weiten die Beleuchtung weiterhin aus oder lassen selbst Gebäudebeleuchtungen durchweg Nachts brennen, da die LED Lampen im Betrieb günstig sind.

Natur feindliche Privatgärten

Die gesamte Landfläche in Deutschland besteht aus 3% Privatgärten. Durchaus nennenswert. 600 Tonnen! Pestizide landen Jahr für Jahr darauf. Hinzu kommen sterile Gestaltung oder gleich ganze Steingärten um dann ironische Weise Kilometer weit zu fahren um „Natur“ zu erleben. Die Gärten wären wichtige Oasen für viele Insektenarten, doch viele Gärten eignen sich hierfür nur uneingeschränkt. Wir nehmen uns das Recht der Natur Fläche zu entnehmen und haben nicht einmal den Anstand diese Fläche so zu gestalten, dass die zwangsenteigneten Lebewesen darin ein Zuhause finden.

Unfähige und kurzsichtige Kommunen

In vielen Gemeinden, Städten, Ortschaften und Dörfern besteht das gleiche Problem: Man hat in keinster Weise eine Ahnung von der Materie. Bei den bereits genannten Versiegelungen, unnötige und schlecht geplante Umgehungsstraßen und weiteren Natur feindlichen und kurzsichtigen, verantwortungslosen Bauprojekten spielen auch die Kleinigkeiten eine Rolle. Man lässt einen Kreisel errichten und brüstet sich damit, dass keine Kosten angefallen sind, weil der ansässige Bauunternehmer die Kosten übernimmt und im Gegenzug der Kreisel seinen Namen trägt – naja. Blöd nur, wenn auf dem Kreisel anstatt einem Habitat für Insekten wie Bienen, bunter Blumen, etc. eine Abscheulichkeit von Plastik, Metall und Steinen entsteht und die einzigen Pflanzen nicht einmal zum Ökosystem passen.

Insekten in Zahlen

1 Million Insektenarten hat man bislang beschrieben, davon 5700 Libellenarten, mehr als 13.000 Ameisenarten, 160.000 Schmetterlingsarten und mit 350.000 Käferarten die meisten unter den Insekten.

Davon leben 33305 Insektenarten in Deutschlands

Pro Mensch gibt es 1,4 Milliarden Insekten

Eine summende Mücke schafft 10 Dezibel

100 Dezibel schafft die Ruderwanze – Rekord unter den Insektenart
Eine Biene kann 70 Km/h erreichen

Die Hummel dagegen „nur“ 20 Km/h

100 Km/h schafft hingegen der Windenschwärmer

3.500 Notarzteinsätze gibt es in jedem Jahr aufgrund Insektenstichen – in Deutschland

16 Tote durch Bienen-, Wespen- oder Hornissenstiche

2 Millionen Tote jährlich durch von Mücken übertragene Krankheiten

Wenn eine Blattschneideameise 1 Mikrogramm Ihres Duftstoffes abgibt, reicht es für eine Spur, die 3 mal um die Welt gehen kann. Von diesem Duftstoff hat die Ameise maximal 3 Mikrogramm im Körper

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